Ein Prosit auf die Follower: Diese Biermarken sind auf Social Media am stärksten

  • Influencer-Agentur Netzschreier analysiert die Social-Media-Reichweiten von 118 deutschen Biermarken
  • Paulaner knackt als einzige Marke die Millionengrenze
  • Nur jede fünfte Marke ist auf TikTok aktiv, zwei Drittel der Reichweite stammen von Facebook

Der deutsche Biermarkt ist nicht gerade in Feierlaune: 2025 sank der Bierausstoß um 5,6 Prozent und gerade junge Menschen trinken immer weniger Alkohol. Umso wichtiger wird für Brauereien die Frage, wie sie ihre Kundinnen und Kunden erreichen – und dafür wird der Auftritt in den sozialen Medien immer wichtiger. Um herauszufinden, welche Marken dort am erfolgreichsten arbeiten, hat die Influencer-Agentur Netzschreier die Profile von 118 deutschen Biermarken auf Instagram, Facebook, TikTok und YouTube ausgewertet, von nationalen Marktführern bis zur Kiezbrauerei.

Paulaner ist die einzige Biermarke mit mehr als einer Million Followern

Paulaner ist die einzige Biermarke mit mehr als einer Million Followern
Mit 1,1 Millionen Followern über alle vier Plattformen hinweg führt Paulaner das Ranking klar an und kommt auf fast doppelt so viele Follower wie die zweitplatzierte Marke Salitos (625.900). Dahinter folgen Warsteiner (601.900), Bitburger (527.700) und die Hamburger Kultmarke Astra (470.500). Die Top 10 komplettieren Krombacher (465.000), Erdinger (406.500), Beck’s (307.600), Schöfferhofer (299.100) und Veltins (239.100).

Vergleicht man den Social-Media-Erfolg der Brauereien mit ihren Absatzzahlen, zeigt sich, dass verkaufsstarke Marken nicht unbedingt die stärkste Social-Media-Präsenz haben. Deutlich wird die Lücke etwa bei Krombacher. Die Dachmarke setzte 2025 nach Unternehmensangaben 5,70 Millionen Hektoliter ab und gilt als absatzstärkste Biermarke Deutschlands. In den sozialen Netzwerken erreicht sie mit 465.000 Followern jedoch nicht einmal die Hälfte der Reichweite von Paulaner. Paulaner profitiert dabei auch von seiner internationalen Bekanntheit: Fast die Hälfte des unter der Marke gebrauten Bieres wird nach Angaben der Brauerei außerhalb Deutschlands verkauft.

Auf diesen Plattformen sind die Brauereien am stärksten

Viele Follower zu haben, bedeutet für Marken noch nicht, dass sie auch viele Menschen erreichen. Deshalb hat Netzschreier auch gemessen, welche Accounts ab einer gewissen Größe Inhalte ausspielen, mit denen Menschen im Verhältnis zur Followerzahl besonders häufig interagieren. Dabei gibt es einen klaren Sieger: Pilsator kommt auf eine durchschnittliche Engagement-Rate von 88,99 Prozent. Das bedeutet, dass Beiträge der Marke mit ihren gerade einmal 7.178 Followern auf durchschnittlich mehr als 6.000 Interaktionen kommen. Das liegt an der ungewöhnlichen Social-Media-Strategie der Marke: Pilsators Instagram-Profil setzt statt werblicher Markenpräsenz auf Memes und Witze mit dem Potenzial, zum viralen Hit zu werden. So entstehen dann Beiträge wie dieser aus dem Jahr 2025, der über 100.000 Interaktionen vorweist und so den Durchschnitt in die Höhe treibt.

Auch die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan (35,26 Prozent) und die Hamburger Ratsherrn Brauerei (22,48 Prozent) können starke Engagement-Raten vorweisen – beide Brauereien liefern in der Regel moderat erfolgreiche Inhalte ab, konnten aber ähnlich wie Pilsator durch virale Meme–Videos neue Menschen erreichen und den Interaktions-Durchschnitt bei ihren Beiträgen in die Höhe treiben.

TikTok wird von vielen Marken vernachlässigt

Am größten ist der Nachholbedarf auf TikTok: Nur 26 der 118 untersuchten Marken betreiben dort überhaupt ein Profil. Bekannte Namen wie Warsteiner, Beck’s, Jever oder Radeberger sind auf der Plattform gar nicht vertreten – zumindest nicht mit ihren Hauptmarken. Spitzenreiter ist hier mit großem Abstand die Paderborner Marke Salitos, die auf TikTok 139.000 Follower vereint. Dahinter folgen neben Erdinger (29.500 Follower) mit der Distelhäuser Brauerei aus Tauberfranken (16.500) und der Landbrauerei Schönram (11.600) zwei Regionalbrauereien, die in der Gesamtwertung nicht unter den Top 10 auftauchen. Auch die Kölner Brauereien Früh (7.080) und Gaffel (6.350) sowie Welde aus der Kurpfalz (5.870) haben auf TikTok mehr Reichweite als etwa Paulaner (3.860).

Netzschreier-CEO: „Follower sind noch keine Community“
„Bier trinkt sich am besten in Gesellschaft, doch auf den Social-Media-Plattformen scheitern die meisten Brauereien daran, eine lebendige Community aufzubauen. Unsere Analyse zeigt sehr deutlich, dass Markengröße nicht automatisch Relevanz im Netz bedeutet. Deutschlands meistverkauftes Bier hat nicht einmal halb so viele Follower wie die Konkurrenz, und bei den meisten großen Pils-Marken reagiert nur ein Bruchteil der Community überhaupt auf ihre Beiträge. Gerade weil Werbung für Alkohol in den sozialen Medien zu Recht strikt reglementiert ist, gewinnen dort nicht die Marken mit den lautesten Kampagnen oder größten Budgets, sondern die mit den besten Inhalten. Davon profitieren besonders kleine Brauereien, deren Inhalte nicht durch zehn Marketing-Gremien abgeschmirgelt wurden. Diese erreichen dagegen Interaktionswerte, von denen die Marktführer nur träumen können“, sagt Marlon Giglinger, Mitgründer und Geschäftsführer von Netzschreier. Er ergänzt:

„Die Branche verpasst dabei nicht nur eine Möglichkeit, ihr Image aufzufrischen. Der Biermarkt schrumpft, und wer junge Erwachsene als neue Kundschaft gewinnen will, muss dort präsent sein, wo sie Inhalte entdecken. Und die beste Plattform, um speziell diese Zielgruppe zu erreichen, ist TikTok. Dass vier von fünf deutschen Biermarken dort nicht einmal ein Profil haben, während auf Facebook riesige Reichweiten erzielt werden, zeigt, wie stiefmütterlich diese Zielgruppe von vielen Marken behandelt wird. Deutschlands Brauereien müssen ihre Socials-Strategie neu denken, wenn sie nicht wollen, dass sie trotz ihrer Reichweite zum digitalen Altglas werden.“